E. L. KIRCHNER VEREIN FEHMARN e.V.

PREISTRÄGER DES KULTURPREISES OSTHOLSTEIN 1999

Aus Strandgut entstehen Skulpturen

Als Glücksfall erwies sich auch der immer noch nahe der Küste gestrandet liegende Schoner „Marie”. Kirchner schwamm oft hinaus, um sich Eichenbohlen zu holen, die sich besonders gut zum Schnitzen eigneten. Am 12. August 1913 schrieb er an Gustav Schiefler, seinen Hamburger Sammler und Förderer: „Der Kopf, den ich Ihnen sandte, ist Holzschnitzerei (Eiche), ich habe hier einige Figuren dieser Art gemacht. Es gibt hier neben der Freiheit der Zeichnung den zwingenden Rhythmus der im Block geschlossenen Form. Und diese beiden Elemente den Bildaufbau. Instinktiv, nicht doktrinär.” Und in einem Brief an Gewecke schrieb er am 24. September: „Leider müssen wir bald zurück. Sie glauben nicht, wie schwer es uns fällt. Ich weiß nicht, ob das Meer im Sommer oder im Herbst am schönsten ist. Ich male so viel wie möglich, um wenigstens etwas von den tausend Dingen, die ich malen möchte, mitzuschleppen. Dazu wird das Eichenholz von dem gestrandeten Schiff immer verlockender für Plastiken. Ich muss ein paar Stück unbehauen mitnehmen, denn die Zeit drängt, und die Tage werden immer kürzer.” – Dieses für Kirchner doch wichtige gestrandete Schiff erscheint auf keiner seiner Arbeiten. Störte es den Eindruck von paradiesischer Einheit von Mensch und Natur?
Staberhof neuscanStaberhof Scheune

 

Als Gewecke abgereist war, baute Kirchner eine Hütte an seinem Strand an der östlichen Bucht von Staberhuk, die er im selben Brief an Gewecke beschreibt: „Denken Sie sich, wir haben noch eine Hütte gebaut am Strand mit einem feudalen Eingang. Sie würden natürlich sagen gotisch. Es ist wunderschön darin zu sitzen. Ich habe sie so gebaut, dass man über einen rosa Stein hinweg das Meer sehen kann. Wenn nun Badende mit ihren schlanken Senkrechten den Strand heraufkommen und im Spitzbogen des Eingangs erscheinen und dahinter die beiden schwarze Steine an unserer Badestelle – wie prachtvoll würden sie sich darin ausnehmen...”. Das Baumaterial für diese Hütte holte er sich auch von der „Marie”.

Anschließend schrieb Kirchner noch: „Der Töpfer Will ist ein feiner Mensch. Er hat uns eine Anzahl von ihm gemachter Töpferwaren von der ganzen Insel zusammengeholt. Die können Sie dann in B. bewundern.” Der Besucher kann heute einige Töpferwaren des Töpfers Will im Burger Heimatmuseum bewundern, auch die Atmosphäre am Staberhuk mit seinem Leuchtturmgelände und die Küstenbildung mit ihrem Südseereichtum. Die Hofanlage des Gutes Staberhof und die Dörfer der Umgebung sind unverändert erhalten.