E. L. KIRCHNER VEREIN FEHMARN e.V.

PREISTRÄGER DES KULTURPREISES OSTHOLSTEIN 1999

Freundschaft mit Leuchtturmwärter Lüthmann

 

Leuchtturm Staberh. NeuscLeuchtturm Staberhuk, 1912
1912 brach Kirchner mit Erna Schilling Ende Juli von Berlin nach Fehmarn auf. Sie reisten diesmal wohl ganz mit der Bahn, denn der Lübecker Bahnhof war, weiter entfernt vom Hafen, neu gebaut worden. Auf Fehmarn wohnten sie beim Leuchtturmwärter Lüthmann, der mit Frau und acht Kindern auf Staberhuk, dem Südostzipfel der Insel, am Leuchtturm lebte. Lüthmanns hatten für die Gäste das östliche Giebelzimmer mit seinen zwei Abseiten freigemacht. Die beiden Söhne mussten unten Notquartier nehmen. Die beiden Töchter, Dora, elfjährig, und die zehnjährige Frieda, blieben im westlichen Giebelzimmer wohnen. „Kirchners” - für die Kinder war Erna immer Kirchners Frau – versorgten sich in ihrem Zimmer selbst. Sie hatten sich einen Esbitkocher mitgebracht. Oft wurde aber auch bei Lüthmanns gefrühstückt, oder man kam abends zum Klönen herunter. Staberhuk lag in abgeschiedener Einsamkeit, in die sich nur selten ein Mensch verirrte. Die Kinder gingen im vier Kilometer entfernten Staberdorf zur Schule, und zum zwei Kilometer entfernten Gut Staberhof hatte man wohl auch wegen des gesellschaftlichen Unterschiedes wenig Kontakt. So freuten sich die Kinder über die Abwechslung.

 

Familie des Leuchtturmwärters LüthmannFamilie des Leuchtturmwärters Lüthmann, ca. 1920
Der Leuchtturm war 1903 erbaut worden. Seitdem wohnten Lüthmanns hier. Im Sommer 1912 wurde ein Haus für den zweiten Leuchtturmwärter Jessen gebaut. Kirchner fotografierte dessen Familie mit den drei Kindern vor diesem Haus. Vater Lüthmann hatte den Leuchtturm mitsamt Gelände in Ordnung zu halten. Um 6 Uhr, um 12 und um 22 Uhr musste er sein Leuchtturmzimmer besteigen um Wetter- und Sichtverhältnisse in einem Buch zu notieren. Bei Schlechtwetter musste er ständig dort oben sitzen. Bei Sonnenauf- und -untergang war das Petroleumfeuer anzuzünden bzw. zu löschen.
Foto mit dem Leuchtturm  (von Nordosten aufg.), ca. 1904Foto mit dem Leuchtturm (von Nordosten aufg.), ca. 1904

 

Wie kam nun ein solcher preußischer Beamter, der sehr streng und akkurat war, mit dem Künstlerbohemien Kirchner aus? Nun, er achtete das disziplinierte Leben des Künstlers. Kirchner stand frühmorgens zwischen fünf und sechs Uhr auf, wusch sich am Brunnen neben dem Haus und zog dann los um zu arbeiten. Bis ins zehn Kilometer entfernte Burg lief er und in die umliegenden Dörfer Staberdorf, Meeschendorf und Vitzdorf, meist jedoch arbeitete er an der nahe gelegenen Küste oder schnitzte an seinen Skulpturen. Lüthmann schätzte den Gast auch als Gesprächspartner und ungewöhnliche Persönlichkeit. War das Verhältnis anfangs mehr durch den gegenseitigen Respekt geprägt, so wurde es im Laufe der Zeit immer vertrauter und zum Schluss fast freundschaftlich.

Gruener Leuchtturm auf FehmarnGrüner Leuchtturm auf Fehmarn