E. L. KIRCHNER VEREIN FEHMARN e.V.

PREISTRÄGER DES KULTURPREISES OSTHOLSTEIN 1999

Gebadet wird natürlich nackt

Zwei MaedchenakteZwei Mädchenakte
Als dann Erich Heckel und Freundin Sidi Riha zu Besuch kamen – sie schliefen ebenfalls in Kirchners Zimmer – war noch mehr Leben am Staberhuk. Man badete und malte am Strand mit seinen riesigen Steinen aus der Eiszeit, wobei jegliche Kleidung abgelehnt wurde. Den Kindern gefiel dies sehr, den Eltern weniger. Kirchner war bei den Kindern sehr beliebt. Er brachte ihnen das Schwimmen bei und verwöhnte sie mit Süßigkeiten. Die Kinder mussten oft über Kirchners Sonderheiten lachen. So brachte er sich eines Tages aus Burg einen Hut mit, und die Kinder meinten, er setzte ihn nun auch so auf – weit gefehlt. Er schnitt die Krempe weitgehend ab und setzte ihn als Schirmmütze auf. Auf vielen Bildern kann man Kirchner mit diesem Hut sehen und identifizieren.

 

Kirchner schlief nie in einem Bett. Er sagte, er komme sich dann vor wie in einem Sarg. Wenn er einmal mit einem Bild nicht zufrieden war, so konnte er es wütend ins Meer werfen. War die Wut verraucht, schwamm er hinterher und stellte es wieder auf die Staffelei. Wie mit den Kindern wollte er sich auch mit dem Schäferhund Flox anfreunden. Der hielt aber, als von Herrn Jessen streng erzogener Wachhund, immer misstrauische Distanz und ließ sich auch durch Süßigkeiten nicht bestechen. Das erzürnte Kirchner oder enttäuschte ihn, jedenfalls wurde Flox fortan geflissentlich übersehen. Ja, die Kinder hatten einigen Grund, sich über den Berliner Maler auch mal zu wundern.

Das älteste der Lüthmann-Kinder, Max, 13 Jahre alt, ging mit den Söhnen vom Staberhof oft auf die Jagd. Er besaß einen Tesching, ein nicht waffenscheinpflichtiges Kleinkalibergewehr. Kirchner lieh es sich einige Male aus, um selbst auf Seevögel zu jagen. Er mochte wohl nicht zu oft nach der Waffe fragen, und so brachte er sich eines Tages aus Burg einen eigenen Tesching mit. Kirchners Jagdbemühungen schienen nicht ganz erfolglos gewesen zu sein. Er malte zwei Stillleben mit von ihm erlegten Enten und Möwen. Er stellte sich auch als „Möwenjäger im Gehölz” dar, mit der besagten Schirmmütze auf dem Kopf.

Möwenjäger im Gehölz, 1912Möwenjäger im Gehölz, 1912