E. L. KIRCHNER VEREIN FEHMARN e.V.

PREISTRÄGER DES KULTURPREISES OSTHOLSTEIN 1999

„Goldregen” ganz ohne Erna

Fehmarnküste LeuchtturmFehmarnküste mit Leuchtturm
Kurz nach der Ankunft begann der große Goldregenbusch am südlichen Ende des Gartenweges zu blühen. Kirchner stellte seine Staffelei am Schweinestall auf und malte an drei Tagen das Bild „Goldregen”. Erna musste dabei den Kiesweg immer auf und ab gehen, obwohl sie gar nicht mitgemalt wurde. Blieb sie einmal stehen, so sagte Kirchner nur vorwurfsvoll: „Erna!”, und sie setzte ihren Gang fort. Die Kinder wunderten sich wieder einmal und hatten wohl auch ein wenig Mitleid mit Erna, denn sie mochten sie besonders gern.

Es gab aber auch viel Spaß. Ein besonders lustiger Mensch war Gothein. Einmal kletterte er unbemerkt aus dem Fenster des Mädchenzimmers auf das Dach des kleinen Schweinestalls und bewarf die Untenstehenden mit seinen Latschen. Er freute sich diebisch, als sie sich so richtig erschreckten. Das Leben wurde noch bunter, als Otto Mueller und seine Frau Maschka zu Besuch kamen und auch noch in das Zimmer einzogen. Gewecke und Gothein mussten in eine der Abseiten ziehen. Mit den Kindern von Lüthmann und dem Besuch bestand nun kein Mangel an Modellen. Es wurde viel gemalt. Mueller erkennt man immer an seinem hohen Hut und seiner Pfeife.

Kirchner fühlte sich wie im Paradies in Harmonie mit den Freunden, die auch nach der Auflösung der „Brücke” zu ihm hielten, und den Gastgebern und in völligem Einklang mit der Natur am Staberhuk. Er stand mit weit ausgebreiteten Armen am Strand und rief: „Oh, Staberhuk, wie bist du herrlich, ein Glück im Winkel friedlich schön!” Er wiederholte den Vers so oft, bis auch die Lüthmann-Kinder ihn auswendig konnten. Niko Lüthmann hatte ihn bis an sein Lebensende behalten.