E. L. KIRCHNER VEREIN FEHMARN e.V.

PREISTRÄGER DES KULTURPREISES OSTHOLSTEIN 1999

Kein Platz für Max Pechstein

Haus unter BäumenHaus unter Bäumen
Später kam auch noch Max Pechstein zu Besuch. Aber es war nun wirklich kein Platz mehr in dem kleinen Zimmer. Deshalb zog er nach Lemkenhafen und quartierte sich im „Haus Seeblick” ein. Vielleicht auch galt das Malrevier Staberhuk als besetzt.

Am 9. August 1912 war der deutsche Schoner „Marie” von seinem Kapitän wegen eines Lecks vor Staberhuk auf Strand gesetzt worden. Nach vergeblichen Versuchen ihn freizuschleppen wurde er am 13. August als verloren aufgegeben. Dieses Wrack sollte für Kirchner im folgenden Jahr von Bedeutung sein.

Am 16. August reisten Kirchner und Erna ab. Anfang August war es wieder kalt und regnerisch geworden, nach einigen schönen Tagen. Insgesamt aber galt der Sommer als verregnet. Kirchner hatte, nach eigenen Angaben, Bilder gemalt „von absoluter Reife”, wobei er wohl insbesondere „Ins Meer Schreitende” meinte. Insgesamt entstanden in diesem Sommer 34 Fehmarn-Ölbilder, Badeszenen, Bilder des Leuchtturms, der Küste und der Umgebung und ein Burg-Bild. Einige Bilder hatte er auf der Insel fertig gemalt, einige begonnen. Andere entstanden ganz im Berliner Atelier.

 

Ende September stattete auch Karl Schmidt-Rottluff der Insel einen kurzen Besuch ab; Kirchner schien ihn neugierig gemacht zu haben.

1913 reisten Kirchner und Erna „zur Zeit des Kartoffellegens” an, also Mitte Mai, wie uns der Zeitzeuge Nikolaus Lüthmann 1997 erzählte. Niko Lüthmann war damals 91 Jahre alt und hatte seinen Wohnsitz in Sachsen. Er war das letzte noch lebende „Lüthmann-Kind”.

Diesmal fuhren sie mit der Bahn bis Lübeck und von dort mit dem Schiff nach Burgstaaken. Beim Umsteigen hatten sie Hilfe, denn sie reisten in Begleitung von Hans Gewecke und Werner Gothein, den beiden einzigen Malschülern des Berliner MUIM-Institutes. Am Staberhuk wurden sie mit lautem Hallo und großer Freude von den Kindern begrüßt. Sie bezogen wieder ihr Giebelzimmer, von Kirchner „Turmzimmer” genannt.

Ins Meer schreitende, 1912Ins Meer schreitende, 1912