E. L. KIRCHNER VEREIN FEHMARN e.V.

PREISTRÄGER DES KULTURPREISES OSTHOLSTEIN 1999

Quartier in der Villa „Port Arthur”

Als Quartier bot sich die auf halbem Weg rechter Hand in einem großen Obstgarten, von Wiesen umgeben liegende „Villa Port Arthur” an. Besitzerin war Grete Hiss, eine 37-jährige nette gutmütige Jungfer. Sie lebte von der kleinen Landwirtschaft und der Vermietung der drei Zimmer in der ersten Etage. Da sie auf das Geld aus der Vermietung angewiesen war, legte sie ihre Vorstellung von Moral ein wenig großzügig aus und ließ die drei jungen Leute einziehen. „Port Arthur” lag günstig, Burg, der Hafen Burgstaaken und die Küste waren gut zu Fuß zu erreichen.

Das Wetter in diesem Sommer war wechselhaft, Regen während der Obstblüte im Mai, meist sonnig und warm im Juli und August. Die See hatte aber nie mehr als 18 Grad.

Kirchner malte Bauernhäuser, die Kirche in Burg, Windmühlen, die Schiffe im Hafen und Küstenansichten, unter anderem die „Bucht von Staberhuk”. Unter den sechs Ölbildern entstand das berühmte Bildnis der Emmi Frisch, am Strand sitzend mit ihrem Bruder im Hintergrund. Das lange enge Zusammenleben mit Emmi scheint der Beziehung nicht gut getan zu haben. Man blieb zwar befreundet, aber auf distanziertere Art.

Villa Port ArthurVilla Port Arthur

 

Hafen BurgHafen Burg
Häuser auf FehmarnHäuser auf Fehmarn
Frau im weißen KleidFrau im weißen Kleid


1911 war Kirchner, wie die anderen Brücke-Maler auch, von Dresden nach Berlin übergesiedelt. Seine Freundin und häufiges Modell Dodo war leider in Dresden geblieben. Für den Sommer 1912 plante Kirchner wieder einen Aufenthalt auf Fehmarn. Er brauchte dazu aber eine Reisebegleiterin und ein Modell. In einem Varieté, wo auch Sidi Heckel auftrat, fand er eine nette gut gebaute Tänzerin, Erna Schilling. „Wir hatten Sympathie füreinander und sie ging mit mir und lebte bis zur Abreise ganz bei mir” (Zitat aus dem Davoser Tagebuch Kirchners). Sie blieb seine Lebenspartnerin bis zu seinem Tod 1938.