E. L. KIRCHNER VEREIN FEHMARN e.V.

PREISTRÄGER DES KULTURPREISES OSTHOLSTEIN 1999

Wenig Freude am selbstgebauten Einbaum

Kirchner fällte dann eine Pappel 500 Meter entfernt am Steilufer, und alles verlief programmgemäß. Es war harte Arbeit, allein einen Einbaum mit einer Axt aus dem Stamm zu hauen! Zu Wasser gelassen stellte sich das Gefährt als sehr labil heraus; bei der kleinsten Gewichtsverlagerung kippte es um. Kirchner baute Ausleger an, aber jetzt fuhr das Boot nicht mehr so richtig geradeaus. Also wurden die Ausleger wieder abgebaut – kurz, Kirchner hatte nicht viel Freude an seinem Einbaum. Die Kinder aber nach seiner Abreise umso mehr. Dies bereitete der Mutter Sorge, hatte sie doch Angst, sie könnten abgetrieben werden und ertrinken. Bei ablandigem Wind stießen die Eltern es heimlich vom Ufer ab – dies war das Ende von Kirchners sagenhaftem „Kanu”.

Die herrlich warmen Tage und Nächte reizten zu Aufenthalten im kühlen Staberholz und zum Baden, auch in lauen Mondnächten, festgehalten auf den dreizehn Ölbildern dieses Sommers. Das letzte Fehmarn-Bild ist „Badende im Mondschein”.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird diese Idylle am 1. August 1914 jäh unterbrochen. „Kirchners” mussten die Insel verlassen und sollten sie nie wieder sehen. Nach seiner Abreise schrieb er an Schiefler: „Es fiel mir sehr schwer, so plötzlich abzureisen, da ich dies Jahr vollständig in der Landschaft und dem Leben da oben aufging und nur fast ohne Bewusstsein zuzugreifen brauchte.”

Auf der Fehmarnsundfähre wurde Kirchner in der ersten Kriegshysterie als russischer Spion verdächtigt und festgenommen, aber nach telefonischer Rücksprache beim Leuchtturmwärter bald wieder freigelassen. Diese Freiheitsberaubung hatte aber bei Kirchner einen tiefen Eindruck hinterlassen. Anfangs wagte er sich in Berlin nur noch nachts auf die Straße und hatte panische Angst vor jeder Uniform.

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